la-boum_logo     start | infos | audio | video | shop | galerie | klatsch | kontakt | | | english
 
Reisetagebuch der Band „la-boum” - Aalen, Crailsheim, Bruchsaal, 13.7 -15.7.2007      >>> zu den Fotos

(verfasst von Mr. Boule)
Letztes Wochenende waren la-boum mal wieder in altbekannter Feten-Mission unterwegs. Was sie so alles erlebten, und wie es ihnen dabei erging, soll im folgenden beschrieben werden:
Am Freitagabend ging es wie immer am Proberaum los: Kabel wurden gerollt, Boxen geschleppt und Instrumente verstaut, um anschließend alles in einen von L. Armarios tollen Bussen unterzubringen. Da sich Armario diesmal für ein kleineres, aber sportlicheres Exemplar aus seiner Flotte entschieden hatte, musste eine komplizierte Schlichttechnik angewendet werden, bei der alles Gepäck irgendwie ineinander verkeilt wird. Diese neue, bisher noch nie praktizierte Methode, wurde anschließend aus Sicherheitsgründen fotografiert, denn sie wäre sonst nie wieder zu rekonstruieren gewesen und wir hätten einen Großteil unserer Sachen irgendwo zurücklassen müssen.

Gegen 21 Uhr war es dann soweit und wir fuhren durch die malerische Nürnberger Südstadt, vorbei an Industriebrachen und Müllverbrennungsanlagen, direkt ins glutrote Abendrot nach Aalen. Dort angekommen steuerten wir direkt das Domizil des Schlagzeugers Popov, die „Casa Rettenmeier”, an. Trotz mehrwöchiger Planung war man dort über unsere Ankunft relativ überrascht, aber nach einer halben Stunde konnte doch noch irgendwo im Haus eine Wodkaflasche und mehrere gekühlte Flaschen des so beliebten Gerstensaftes organisiert werden. Den Rest des Abends verbrachte man auf der herrlichen Terrasse mit Blick auf das schöne Kochertal, mit Dörfern und alten Ritterburgen. Wir versuchten vergeblich, die Hausherren vom Nutzen ihres leer stehenden Gewächshauses zu überzeugen ... Um 12 Uhr wurde dann auf den Geburtstag der Gastgeberin Anja angestoßen, und die wackere Truppe stimmte auf die schnelle ein sehr bekanntes Geburtstagslied an.

Am nächsten Morgen wurde ich mit den Worten „Hol mal die Tassen!” aus meinen bizarren Träumen auf der Komfort-Liege (Marke Campingfreund '79) geweckt. Nach einem stärkenden Frühstück ging es wieder weiter zum Konzert nach Heidenheim. Spielbeginn war um 11 Uhr und somit war es unser frühestes Konzert seit dem Weisswurst-Frühschoppen in Forchheim. Am Wochenende davor haben wir (wie bereits berichtet) wohltätig für Afrika gerockt, und so war uns der Wettergott gnädig gestimmt und schickte uns echt afrikanisches Wetter ins tiefste Schwaben. Das Konzert fand im „Pier” statt, einem Club mit Bar in Schiffsform (und einer Reling zum dran festhalten), in dem wir schon einmal im Frühjahr gespielt haben. Es gab einen Brunch eines florierenden Unternehmens und unsere Aufgabe war es, die Gäste auf der Terrasse, die direkt an einem Fluss gelegen war, zu unterhalten. Wir platzierten uns diskret auf einem Steg mitten im Fluss und versuchten dezente Sommermusik aus den la-boum-Liedern zu machen. Aus Ska wurde Reggea und aus Rock Blues. Als besonders Innovativ erwies sich hierbei Butz, der spontan eine spezielle Banjo-Improvisationstechnik entwickelte, und damit Jung und Alt gleichermaßen erfreute. Allerdings wurde seine neu entdeckte Instrumentalstrophen-Leidenschaft nicht von allen Bandmitgliedern als angenehm empfunden... Die 9-köpfige Schwanenfamilie hinter uns im Fluss lies sich ihren Spaß jedenfalls nicht verderben und streckte vergnügt ihre Schwänzchen in die Höh. Später durften wir sogar vom leckeren Schwäbisch-Mediterranen Buffet kosten, was für jeden von uns neue Geschmackserfahrungen mit sich brachte. Maultaschen mit Heilbutt-Basilikumfüllung und Spätzle aus Auberginen hatte bis dahin wirklich noch keiner von uns probiert. Wir spielten bis 14 Uhr in der sengenden Sonne und wären am liebsten in den kühlen Fluss hinter uns gesprungen. Die Situation war auch nicht ganz ungefährlich, denn obwohl wir alle Stromkabel mit Klebeband am Steg befestigt hatten, fiel bei einem spektakulären Kontrabass-Kunststück das Kabel ins Wasser. Sehr zur Freude der Schwanenfamilie, sie konnte uns jetzt noch besser hören.

Am frühen Nachmittag ging es wieder weiter. Nun waren die Fotos vom Vortag sehr hilfreich, ohne sie hätten wir unsere Sachen nicht mehr mehr im Bus untergebracht. Und es ging weiter nach Bruchsal (das bei Karlsruhe, nicht das im Hobbitland). Bei der Fahrt über die schwäbische Hochebene begegneten wir einer jungen Mutter, die in der prallen Sonne eine Panne hatte und gerade dabei war, dass Warndreieck im vorschriftsmäßigem Abstand von 100 m zu ihrem Fahrzeug aufzustellen. Selbstlos und in alter Pfadfinder-Manier hielten wir stressgeplagten Musiker an und leisten erste Hilfe. Butz und ich konnten als Ex-Mechaniker den Sachverhalt sofort klären und einen gerissenen Keilriemen als Ursache diagnostizieren. Wir lösten das Problem, indem wir den ADAC anriefen. Die Frau war überglücklich, ihre Kinder aber nicht, sie schrieen wie am Spieß, weil sie eigentlich auf eine Kindergartenparty wollten. Mit dem Gefühl gute Menschen zu sein setzten wir unsere Fahrt fort und wurden bald für unsere Mühen belohnt. Links der Straße, in einem Tal, lag ein kleines, süßes Dorf- Freibad. Da hielten wir sofort an. Im Bad stellten wir dann fest, dass keiner eine Badehose dabei hatte, und auch der Bademeister, der gleichzeitig Türsteher und Pommesverkäufer war, wollte uns seine nicht verkaufen. Da ich die schönste Unterhose anhatte war ich der Einzige, der sich mit den anderen 100 Dorfbewohnern im großzügigen 4 x 8 m Becken erfrischen konnte. Sonderbar war, dass von Besuchern ausschließlich ein mir bis dahin unbekanntes Weizen-Limo Mischgetränk konsumiert wurde, vom Bademeister persönlich ausgeschenkt. Ich hab eines probiert, und kann es nicht weiterempfehlen. Schließlich ging es weiter über Karlsruhe nach Bruchsal. Leider hatte unser Bus keinen Radio, deshalb sangen wir uns gegenseitig mögliche neue Coverlieder vor, konnten uns aber nicht zwischen Run DMC, Nicki und Beatles einigen. Trotz der Strapazen kamen wir gesund und munter und erholt in Bruchsal an. Der Grund unseres Auftritts hier war die Hochzeit zweier herausragenden örtlichen Persönlichkeiten, Alex und Frank.

Den Auftrittsort zwischen einem barockem Schloss und einem Golfplatz konnten wir problemlos auffinden, weil der Bräutigam bereits winkend am Gartentor stand. Die Location war ein schickes 60er-Jahre Sportheim mit Saalbau und Umkleiden. Bei unserer Ankunft war auch schon die Vorband am Werk: Ein zweiköpfiges Akkordeon-Ensemble heizte mit ihrer 10kW-Anlage dem kompletten Ort mächtig ein. Die lustigen Musikerfreunde erfreuten die Hochzeitsgesellschaft mit interessanten Akkordeon-Arrangements bekannter Hits wie „Skandal um Rosie” oder „Tulpen aus Amsterdam”. Auch aus traditionellem Liedgut schufen sie mit ihrem Schalldruck ein für alle Anwesenden unvergessliches Klangerlebnis. Kaum waren ihre Klänge verhallt, stapfte auch schon die zweite Vorband über den nah gelegenen Hartplatz heran. Ein Vollblut-Schotte in orginalgetreuer Ausrüstung erschien im Auswärts-Tor und spielte auf einem Dudelsack alte schottische Weisen für das Hochzeitspaar, wobei er einen interessanten Tanz aufführte: Abwechselnd ging er 20 Schritte vor und zurück um anschließend eine zeitlang auf der Stelle zu gehen. L. Armario hat dieser Tanzstil so gut gefallen, dass er ihn noch am selben Abend in seine eigene Bühnenshow übernahm. Der Schotte bewies bei Spiel und Tanz eine solche Ausdauer, dass sich die Jungs von der C-Jugend schon Sorgen um ihren Fussballplatz machten. In welchem Bezug das Hochzeitspaar zu Schottland steht haben wir nicht erfahren. Als wir zum großen Hochzeitsbuffet eingeladen wurden war uns das auch egal. In der Zwischenzeit hatten wir nämlich unsere komplette Anlage im Saalbau aufgestellt und verkabelt und hatten mächtig Hunger. Wegen den gefühlten 35° im Schatten hatten wir nur die Hälfte unserer Anzüge an. Das erste Set war ohnehin draußen geplant, darum stellten wir die Trommel auf die Wiese vor einen fahrbaren Holzofen-Pizzabackwagen. Als wir anfingen zu spielen waren die meisten Leute noch beim Essen oder Verdauen, aber unsere Musik wurde von Anfang an positiv aufgenommen. Als besonders lustiger Geselle entpuppte sich der Wirt des Sportheims, der von Anfang an zu den betrunkensten Gästen auf der ganzen Feier gehörte, ständig mit einem Tablett voller Bier herum torkelte und reifere Damen zum Tanz aufforderte.Wie wir später erfahren haben, hatte er die Nacht durchgefeiert und ist seit Freitagnachmittag nicht mehr nüchtern gesehen worden.

Nachdem es dunkel geworden war trat eine Feuertanztruppe auf, die aus einer Frau und einem Mann bestand. Abwechselnd jonglierten sie im weißen Nebel mit Fackeln oder warfen sich brennende Gegenstände zu. Im Dunkeln sah das wirklich toll aus! Besonders imposant war es, als die Frau einen mit Petroleum getränkten Regenschirm anzündete und wie wild in der Luft drehte. Danach sollte eigentlich unser richtiges Konzert im Saalbau beginnen, aber keiner der Besucher war dazu zu überreden, nach drinnen zu gehen. Also schlossen wir unsere Verstärker auf der Wiese an und spielten draußen weiter. Auch erwies sich Butzens Experimentierfreudigkeit als äußerst hilfreich. In kürzester Zeit hatte er die komplette Bühnenbeleuchtung nach draußen geschleppt, um mit den bunten und blinkenden Scheinwerfern die Baumkronen und Büsche zu bestrahlen. Das ganze hatte etwas von „Alice im Wunderland“, nur die Ringelkatze im Baum fehlte. Wir gaben nochmal alles und die wildgewordene Meute dankte es mit ausgelassenen Tänzen und Hurra-Rufen. Dazwischen immer noch der Wirt mit seinem Bier-Tablett. So ging das noch bis spät in die Nacht und wurde für alle Anwesenden zu einem unvergesslichen Erlebnis. Völlig erschöpft traten wir gegen 2 Uhr die Heimfahrt nach Aalen an. Auf der Fahrt schlief Popov ein paar mal ein, was die Wachgebliebenen sehr beunruhigte - denn er war der Fahrer.

Am Sonntag Morgen wurde ich von den Worten "Schnell! Die Gäste kommen gleich!" unsanft geweckt. Anja hatte anlässig ihres Geburtstages zum Brunch geladen und Freunde und Verwandte standen bereits vor der Tür. Weil uns die liebe Anja sehr am Herzen liegt, war es selbstverständlich, auch für ihre Gäste ein paar Liedchen vorzutragen. So standen wir nach 5 Stunden Schlaf wieder mit unseren Instrumenten auf dem Balkon der „Casa Rettenmeier” und spielten für die Gäste und den Rest von Aalen-Hüttlingen. Am Ende verabschiedeten wir uns mit den Worten „Wir machen jetzt eine kurze Pause bis nächstes Wochenende” und stärkten uns am Buffet, um dann im kochend heißen Bandbus wieder nach Nürnberg zu fahren. Gegen 15 Uhr waren wir dann da und schleppten das ganze Zeug wieder in den Keller der ehemaligen Bekleidungsfabrik hinterm Hauptbahnhof, unseren Proberaum.

Für mich war es ein schönes Band-Wochenende, und wenn man nicht ständig so viel isst, mehr schläft und es nicht so heiß ist, könnte ich mich daran gewöhnen.

So, und jetzt bin ich mal gespannt, wie die Jungs das nächste Wochende durchstehen, an dem sie beim großen Crailsheimer Kulturwochende unter anderem den Stadtpark und den Ratskeller rocken, und auch sicher wieder für eine Straßen-Guerilla-Aktion zu haben sind. Oder in 2 Wochen, wenn la-boum beim Nürnberger Bardentreffen gegen über 171 Straßenmusiker antreten und ihren Titel als trinkfesteste Truppe zwischen Budapest und Barcelona verteidigen müssen. Ihr werdet es erfahren. Bis dann.


 >>> zu den Fotos


>>> nach oben