| (verfasst
von Mr. Boule)
Letztes Wochenende waren la-boum mal wieder in altbekannter Feten-Mission
unterwegs. Was sie so alles erlebten, und wie es ihnen dabei erging,
soll im folgenden beschrieben werden:
Am Freitagabend ging es wie immer am Proberaum los: Kabel wurden
gerollt, Boxen geschleppt und Instrumente verstaut, um anschließend
alles in einen von L. Armarios tollen Bussen unterzubringen. Da
sich Armario diesmal für ein kleineres, aber sportlicheres
Exemplar aus seiner Flotte entschieden hatte, musste eine komplizierte
Schlichttechnik angewendet werden, bei der alles Gepäck irgendwie
ineinander verkeilt wird. Diese neue, bisher noch nie praktizierte
Methode, wurde anschließend aus Sicherheitsgründen fotografiert,
denn sie wäre sonst nie wieder zu rekonstruieren gewesen und
wir hätten einen Großteil unserer Sachen irgendwo zurücklassen
müssen.
Gegen 21 Uhr war es dann soweit und wir fuhren durch die malerische
Nürnberger Südstadt, vorbei an Industriebrachen und Müllverbrennungsanlagen,
direkt ins glutrote Abendrot nach Aalen. Dort angekommen steuerten
wir direkt das Domizil des Schlagzeugers Popov, die „Casa
Rettenmeier”, an. Trotz mehrwöchiger Planung war man
dort über unsere Ankunft relativ überrascht, aber nach
einer halben Stunde konnte doch noch irgendwo im Haus eine Wodkaflasche
und mehrere gekühlte Flaschen des so beliebten Gerstensaftes
organisiert werden. Den Rest des Abends verbrachte man auf der herrlichen
Terrasse mit Blick auf das schöne Kochertal, mit Dörfern
und alten Ritterburgen. Wir versuchten vergeblich, die Hausherren
vom Nutzen ihres leer stehenden Gewächshauses zu überzeugen
... Um 12 Uhr wurde dann auf den Geburtstag der Gastgeberin Anja
angestoßen, und die wackere Truppe stimmte auf die schnelle
ein sehr bekanntes Geburtstagslied an.
Am nächsten Morgen wurde ich mit den Worten „Hol mal
die Tassen!” aus meinen bizarren Träumen auf der Komfort-Liege
(Marke Campingfreund '79) geweckt. Nach einem stärkenden Frühstück
ging es wieder weiter zum Konzert nach Heidenheim. Spielbeginn war
um 11 Uhr und somit war es unser frühestes Konzert seit dem
Weisswurst-Frühschoppen in Forchheim. Am Wochenende davor haben
wir (wie bereits berichtet) wohltätig für Afrika gerockt,
und so war uns der Wettergott gnädig gestimmt und schickte
uns echt afrikanisches Wetter ins tiefste Schwaben. Das Konzert
fand im „Pier” statt, einem Club mit Bar in Schiffsform
(und einer Reling zum dran festhalten), in dem wir schon einmal
im Frühjahr gespielt haben. Es gab einen Brunch eines florierenden
Unternehmens und unsere Aufgabe war es, die Gäste auf der Terrasse,
die direkt an einem Fluss gelegen war, zu unterhalten. Wir platzierten
uns diskret auf einem Steg mitten im Fluss und versuchten dezente
Sommermusik aus den la-boum-Liedern zu machen. Aus Ska wurde Reggea
und aus Rock Blues. Als besonders Innovativ erwies sich hierbei
Butz, der spontan eine spezielle Banjo-Improvisationstechnik entwickelte,
und damit Jung und Alt gleichermaßen erfreute. Allerdings
wurde seine neu entdeckte Instrumentalstrophen-Leidenschaft nicht
von allen Bandmitgliedern als angenehm empfunden... Die
9-köpfige Schwanenfamilie hinter uns im Fluss lies sich ihren
Spaß jedenfalls nicht verderben und streckte vergnügt
ihre Schwänzchen in die Höh. Später durften wir sogar
vom leckeren Schwäbisch-Mediterranen Buffet kosten, was für
jeden von uns neue Geschmackserfahrungen mit sich brachte. Maultaschen
mit Heilbutt-Basilikumfüllung und Spätzle aus Auberginen
hatte bis dahin wirklich noch keiner von uns probiert. Wir spielten
bis 14 Uhr in der sengenden Sonne und wären am liebsten in
den kühlen Fluss hinter uns gesprungen. Die Situation war auch
nicht ganz ungefährlich, denn obwohl wir alle Stromkabel mit
Klebeband am Steg befestigt hatten, fiel bei einem spektakulären
Kontrabass-Kunststück das Kabel ins Wasser. Sehr zur Freude
der Schwanenfamilie, sie konnte uns jetzt noch besser hören.
Am frühen Nachmittag ging es wieder weiter. Nun waren die Fotos
vom Vortag sehr hilfreich, ohne sie hätten wir unsere Sachen
nicht mehr mehr im Bus untergebracht. Und es ging weiter nach Bruchsal
(das bei Karlsruhe, nicht das im Hobbitland). Bei der Fahrt über
die schwäbische Hochebene begegneten wir einer jungen Mutter,
die in der prallen Sonne eine Panne hatte und gerade dabei war,
dass Warndreieck im vorschriftsmäßigem Abstand von 100
m zu ihrem Fahrzeug aufzustellen. Selbstlos und in alter Pfadfinder-Manier
hielten wir stressgeplagten Musiker an und leisten erste Hilfe.
Butz und ich konnten als Ex-Mechaniker den Sachverhalt sofort klären
und einen gerissenen Keilriemen als Ursache diagnostizieren. Wir
lösten das Problem, indem wir den ADAC anriefen. Die Frau war
überglücklich, ihre Kinder aber nicht, sie schrieen wie
am Spieß, weil sie eigentlich auf eine Kindergartenparty wollten.
Mit dem Gefühl gute Menschen zu sein setzten wir unsere Fahrt
fort und wurden bald für unsere Mühen belohnt. Links der
Straße, in einem Tal, lag ein kleines, süßes Dorf-
Freibad. Da hielten wir sofort an. Im Bad stellten wir dann fest,
dass keiner eine Badehose dabei hatte, und auch der Bademeister,
der gleichzeitig Türsteher und Pommesverkäufer war, wollte
uns seine nicht verkaufen. Da ich die schönste Unterhose anhatte
war ich der Einzige, der sich mit den anderen 100 Dorfbewohnern
im großzügigen 4 x 8 m Becken erfrischen konnte. Sonderbar
war, dass von Besuchern ausschließlich ein mir bis dahin unbekanntes
Weizen-Limo Mischgetränk konsumiert wurde, vom Bademeister
persönlich ausgeschenkt. Ich hab eines probiert, und kann es
nicht weiterempfehlen. Schließlich ging es weiter über
Karlsruhe nach Bruchsal. Leider hatte unser Bus keinen Radio, deshalb
sangen wir uns gegenseitig mögliche neue Coverlieder vor, konnten
uns aber nicht zwischen Run DMC, Nicki und Beatles einigen. Trotz
der Strapazen kamen wir gesund und munter und erholt in Bruchsal
an. Der Grund unseres Auftritts hier war die Hochzeit zweier herausragenden
örtlichen Persönlichkeiten, Alex und Frank.
Den Auftrittsort zwischen einem barockem Schloss und einem Golfplatz
konnten wir problemlos auffinden, weil der Bräutigam bereits
winkend am Gartentor stand. Die Location war ein schickes 60er-Jahre
Sportheim mit Saalbau und Umkleiden. Bei unserer Ankunft war auch
schon die Vorband am Werk: Ein zweiköpfiges Akkordeon-Ensemble
heizte mit ihrer 10kW-Anlage dem kompletten Ort mächtig ein.
Die lustigen Musikerfreunde erfreuten die Hochzeitsgesellschaft
mit interessanten Akkordeon-Arrangements bekannter Hits
wie „Skandal um Rosie” oder „Tulpen aus Amsterdam”.
Auch aus traditionellem Liedgut schufen sie mit ihrem Schalldruck
ein für alle Anwesenden unvergessliches Klangerlebnis. Kaum
waren ihre Klänge verhallt, stapfte auch schon die zweite Vorband
über den nah gelegenen Hartplatz heran. Ein Vollblut-Schotte
in orginalgetreuer Ausrüstung erschien im Auswärts-Tor
und spielte auf einem Dudelsack alte schottische Weisen für
das Hochzeitspaar, wobei er einen interessanten Tanz aufführte:
Abwechselnd ging er 20 Schritte vor und zurück um anschließend
eine zeitlang auf der Stelle zu gehen. L. Armario hat dieser Tanzstil
so gut gefallen, dass er ihn noch am selben Abend in seine eigene
Bühnenshow übernahm. Der Schotte bewies bei Spiel und
Tanz eine solche Ausdauer, dass sich die Jungs von der C-Jugend
schon Sorgen um ihren Fussballplatz machten. In welchem Bezug das
Hochzeitspaar zu Schottland steht haben wir nicht erfahren. Als
wir zum großen Hochzeitsbuffet eingeladen wurden war uns das
auch egal. In der Zwischenzeit hatten wir nämlich unsere komplette
Anlage im Saalbau aufgestellt und verkabelt und hatten mächtig
Hunger. Wegen den gefühlten 35° im Schatten hatten wir
nur die Hälfte unserer Anzüge an. Das erste Set war ohnehin
draußen geplant, darum stellten wir die Trommel auf die Wiese
vor einen fahrbaren Holzofen-Pizzabackwagen. Als wir anfingen zu
spielen waren die meisten Leute noch beim Essen oder Verdauen, aber
unsere Musik wurde von Anfang an positiv aufgenommen. Als besonders
lustiger Geselle entpuppte sich der Wirt des Sportheims, der von
Anfang an zu den betrunkensten Gästen auf der ganzen Feier
gehörte, ständig mit einem Tablett voller Bier herum torkelte
und reifere Damen zum Tanz aufforderte.Wie wir später erfahren
haben, hatte er die Nacht durchgefeiert und ist seit Freitagnachmittag
nicht mehr nüchtern gesehen worden.
Nachdem es dunkel geworden war trat eine Feuertanztruppe auf, die
aus einer Frau und einem Mann bestand. Abwechselnd jonglierten sie
im weißen Nebel mit Fackeln oder warfen sich brennende Gegenstände
zu. Im Dunkeln sah das wirklich toll aus! Besonders imposant war
es, als die Frau einen mit Petroleum getränkten Regenschirm
anzündete und wie wild in der Luft drehte. Danach sollte eigentlich
unser richtiges Konzert im Saalbau beginnen, aber keiner der Besucher
war dazu zu überreden, nach drinnen zu gehen. Also schlossen
wir unsere Verstärker auf der Wiese an und spielten draußen
weiter. Auch erwies sich Butzens Experimentierfreudigkeit als äußerst
hilfreich. In kürzester Zeit hatte er die komplette Bühnenbeleuchtung
nach draußen geschleppt, um mit den bunten und blinkenden
Scheinwerfern die Baumkronen und Büsche zu bestrahlen. Das
ganze hatte etwas von „Alice im Wunderland“, nur die
Ringelkatze im Baum fehlte. Wir gaben nochmal alles und die wildgewordene
Meute dankte es mit ausgelassenen Tänzen und Hurra-Rufen. Dazwischen
immer noch der Wirt mit seinem Bier-Tablett. So ging das noch bis
spät in die Nacht und wurde für alle Anwesenden zu einem
unvergesslichen Erlebnis. Völlig erschöpft traten wir
gegen 2 Uhr die Heimfahrt nach Aalen an. Auf der Fahrt schlief Popov
ein paar mal ein, was die Wachgebliebenen sehr beunruhigte - denn
er war der Fahrer.
Am Sonntag Morgen wurde ich von den Worten "Schnell! Die Gäste
kommen gleich!" unsanft geweckt. Anja hatte anlässig ihres
Geburtstages zum Brunch geladen und Freunde und Verwandte standen
bereits vor der Tür. Weil uns die liebe Anja sehr am Herzen
liegt, war es selbstverständlich, auch für ihre Gäste
ein paar Liedchen vorzutragen. So standen wir nach 5 Stunden Schlaf
wieder mit unseren Instrumenten auf dem Balkon der „Casa Rettenmeier”
und spielten für die Gäste und den Rest von Aalen-Hüttlingen.
Am Ende verabschiedeten wir uns mit den Worten „Wir machen
jetzt eine kurze Pause bis nächstes Wochenende” und stärkten
uns am Buffet, um dann im kochend heißen Bandbus wieder nach
Nürnberg zu fahren. Gegen 15 Uhr waren wir dann da und schleppten
das ganze Zeug wieder in den Keller der ehemaligen Bekleidungsfabrik
hinterm Hauptbahnhof, unseren Proberaum.
Für mich war es ein schönes Band-Wochenende, und wenn
man nicht ständig so viel isst, mehr schläft und es nicht
so heiß ist, könnte ich mich daran gewöhnen.
So, und jetzt bin ich mal gespannt, wie die Jungs das nächste
Wochende durchstehen, an dem sie beim großen Crailsheimer
Kulturwochende unter anderem den Stadtpark und den Ratskeller rocken,
und auch sicher wieder für eine Straßen-Guerilla-Aktion
zu haben sind. Oder in 2 Wochen, wenn la-boum beim Nürnberger
Bardentreffen gegen über 171 Straßenmusiker antreten
und ihren Titel als trinkfesteste Truppe zwischen Budapest und Barcelona
verteidigen müssen. Ihr werdet es erfahren. Bis dann.
|